Kunst Sarganserland-Walensee VI

Judith Annaheim, 2018


Ausgehend von einem kleinformatigen Aquarell, das eine Reihe von Bienenkästen in einer Waldlichtung zeigt, beschäftigt sich Transit mit dem Thema von Aussen- und Innenraum. Der Holzkasten als Wohnraum der Bienen, als architektonisches Element wird aufgegriffen und in der Ausstellungssituation installativ umgesetzt, auch als Referenz zur Ausstellungswand, die als Kubus aufgebaut ist: Ein hochformatiger Holzkasten, aussen weiss und innen holzfarbig, ist schräg an die Wand gelehnt und seitlich zum Bild hin offen. Darüber fliesst eine Stoffbahn, die in der Breite einen grossen Teil der Wand bedeckt und somit auch den Hintergrund für das Aquarell bildet.


Auf dem Stoff ist in starker Vergrösserung ein Ausschnitt des Aquarells in Schwarz-Weiss gedruckt, sodass sich der Wald in den Raum ausdehnt. Durch die Vergrösserung erlebt der Betrachter einen Moment der Abstraktion und einen Perspektivenwechsel, als würde man sich auf einmal mitten zwischen den Baumstämmen befinden. Damit schafft die Künstlerin eine Art Kreislauf zwischen dem dargestellten Raum im Bild, das selbst in einen Vitrinenkasten gefasst ist, dem Waldraum und dem Museumsraum.


So kann man durch verschiedene Ebenen in das Bild selbst hineinzoomen. Dieses ist aus Distanz nicht zu unterscheiden von einer Fotografie, lässt aber aus der Nähe seinen flecken- und tupferartigen Farbauftrag erkennen, der allein durch Hell-Dunkel, durch unterschiedliche Dichte oder Transparenz die Darstellung herausarbeitet. Es ist einfarbig gemalt in einem warmen Bernsteinton, der wiederum Assoziationen an Baumharz oder Honig zulässt. Der flache Lichteinfall, der die Baumstämme beleuchtet und lange Schatten wirft, schafft ein starkes Raumgefühl, das durch den warmen Ton noch an Sinnlichkeit und Realität gewinnt und mit der abstrakten Qualität des Werkes kontrastiert.